KRAKAU | Copernicus – Rittersaal in der Ulica Kanonicza

VON ANDREAS | Krakau war lange Zeit die Hauptstadt Polens und der mächtige Wawelhügel über Jahrhunderte der Sitz polnischer Könige. Überhaupt strotzt die rechts und links der Weichsel gelegene Stadt nur so von historischen Bauten, Plätzen und Museen. Die Geschichte der Stadt im Detail zu referieren, würde zu weit führen – zu bewegt und ereignisreich ist diese.

An meinem freien Dienstagabend habe ich mir das „Restauracja Copernicus“, dass einzige Gault Millaut und Michelin bewertete Restaurant in Krakau, als Ziel ausgesucht. Das Restaurant ist Teil des gleichnamigen Hotels „Copernicus“, welches der Relais & Chateau Kette angeschlossen ist. In der Ulica Kanonicza, der ältesten Straße Krakaus, die sich im Schatten des königlichen Schlosses Wawel windet, sticht das Hotel mit seiner gotischen Fassade zwischen all den anderen Renaissancebauten deutlich heraus. Jedes Haus in dieser schönen, schmalen Gasse ist einen Blick wert und man sollte sich etwas Zeit nehmen für den Weg.

Ganz unkompliziert bekam ich einen Tisch – auch ohne Reservierung.  Was allerdings auch daran gelegen haben könnte, dass sich außer mir nur noch ein weiterer Hotelgast und eine Gruppe Amerikaner mit polnischen Wurzeln, die offenbar ihre Hochzeitsreise in die alte Heimat machten, im Restaurant befanden.

Der ambitionierte Küchenchef Marcin Filipkiewicz bietet ein bis zu 12-gängiges Menü an, welches mit traditionellen polnischen und regionalen Spezialitäten in einem internationalen Gewand glänzt. Einmal Platz genommen im historischen Gebäude, in dem schon internationale Persönlichkeiten wie Roman Polanski, oder der Einheitskanzler Helmut Kohl mit seinem polnischen Counterpart Vaclav Havel speisten, fühlt man sich, als ob man in einem mittelalterlichen Rittersaal tafeln würde.

Letztlich habe ich mich für sieben Gänge entschieden. Wenn man sich etwas mit der polnischen Gastlichkeit und Esskultur auskennt, weiß man, dass man sich aufgrund der üppigen Speisenmengen besser für die „schmale“ Variante entscheiden sollte – zumindest gilt dies für mich. Dies war auch gut so, denn am Ende waren es doch nicht sieben, sondern neun Gänge. Denn die beiden Amuse Bouches waren sehr großzügig bemessen. Ein Traum war der zweite Gruß aus der Küche: Casserole von Kichererbsen, grünem Spargel und Shrimps, würzig und erstaunlich leicht. Eigentlich bin ich kein Freund von Kichererbsen, da man immer Gefahr läuft, dass sie trocken oder pappig sind. Doch davon war hier keine Spur.

Nach ein paar guten, aber nicht sonderlich außergewöhnlichen Gängen, kam mein persönlicher, kulinarischer Höhepunkt. Typisch polnisch aber irgendwie doch ganz anders: Gegrillter Bauchspeck, karamellisierte Zwiebeln, Mango-Jam. Der Bauchspeck muss ewig gegart worden sein, denn das Fett war praktisch weggeschmolzen. Übrig war ein butterzartes Fleisch, garniert mit süßlichen Zwiebeln, die eine überwältigende Allianz mit der säuerlichen Mango-Jam eingingen. Der nächste Gang, der praktisch als eine Art Sorbet angesehen werden muss, blieb erneut in der polnischen Tradition und stach aus dem Menü heraus: Sauerampfersuppe mit Störkaviar und Creme-Fraîche-Nocke. Dies war eine Geschmacksexplosion in der Suppenschale. Alle weiteren Gänge waren auf einem hohen Niveau, aber nicht so gut, wie die traditionell polnischen.

Der Besuch im „Copernicus“ war lohnenswert: Der historische Ort, gepaart mit einer exzellenten Küche war eine gute Basis, um anschließend das Krakauer Nacht- und Kneipenleben zu erkunden.

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Copernicus
Ulica Kanonicza 16 | Kraków, Polska
www.copernicus.hotel.com.pl

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