AMSTERDAM | Kulinarisches Läuferglück

Im Grunde reicht für einen „Laufkurztrip“ nach Amsterdam eine Sporttasche: Laufschuhe, was Kurzes und was Langes, eine Regenjacke, Sonnenbrille und Socken. Im vergangenen Oktober kam zum Laufoutfit jedoch noch das kleine Schwarze dazu.

Denkt man an Amsterdam, denken die meisten wahrscheinlich an Grachten, idyllische Giebelhäuser, das Rijks- und Van Gogh-Museum, vielleicht auch noch an Coffeeshops oder den Schlager „Traum von Amsterdam“ – aber nur wenige würden auf die Idee kommen, Sightseeing in Form eines Halbmarathons zu machen und die für Läufer am Vorabend übliche Pasta-Party durch Sterneküche zu ersetzen. Genau das haben eine Freundin und ich im vergangenen Herbst aber getan – und wir werden es wieder tun und zwar genauso, so viel sei verraten.

Sowohl die sportliche Vorbereitung als auch der Ausflug selbst waren relativ spontan und unkonventionell geplant. Unsere ersten Schritte begannen wir im August: Vier WhatsApp- Nachrichten, eine Hotelbuchung und zwei online Registrierungen, davon eine für den Lauf und eine für das Restaurant. Acht Wochen später trafen wir uns in der Hotel-Lobby im kleinen Schwarzen mit Ziel Ron Gastrobar im Amsterdamer Grachtengürtel

Der ehemals mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Niederländer Ron Blaauw lockt seit 2014 verwöhnte Großstadtmäuler mit einem Gourmet-Konzept, das eine Mischung aus Fine Dining und Brasserie – mit Blick in eine offene Küche – ist. Damit ist er so erfolgreich, dass er bereits vor einiger Zeit einen asiatischen, einen indonesischen und seit 2018 auch einen französischen Ableger eröffnet hat. Der erste Eindruck des Restaurants war modern und offen, nicht formell, mit einer stylischen Esszimmer- Atmosphäre. Alle Plätze waren belegt, und somit war unsere Reservierung goldrichtig. Das Publikum war überwiegend jung und bunt gemischt.

Wir nahmen an einem kleinen Bistrotisch an einer großen Fensterfront Platz, und nach wenigen Minuten hielten wir die Speisekarte in Form eines Stadtplans in unseren Händen. Auf der Vorderseite fanden wir Cocktails (wegen des bevorstehenden Laufs verzichteten wir auf ausgiebige Tests) und auf der Rückseite die Speisekarte, die mit den Worten begann: „Ron Gastrobar… waar het ooit allemaal began. Geen typisch sterrenrestaurant, wij doen het anders.“ (Ron Gastrobar… wo alles begann. Wir sind kein typisches Sterne-Restaurant, wir machen es anders.)

Mit rund 15 bis 20 Euro pro Gang ein durchaus erschwingliches Vergnügen. Vorneweg, für den ersten Hunger, gab es frisch gebackenes Brot, serviert in einer Brottüte, dazu süße Butter mit frittierten Zwiebeln. In einem extra Gläschen wurden uns sauer eingelegte Zwiebeln dazu gereicht.

Wir entscheiden uns beide für das saisonale sechs-Gänge Menü „Best of Gastrobar“:

  1. Lachs: Leicht mit Yuzu mariniertes Lachs Sashimi an Rotkohl und knusprig ausgebratenen Palmherzen.
  2. BBQ Green Kohl: Gebratener Grünkohl mit Lardo, dazu eine Auster an Senfdressing. 3. Snackable: Gebratener Zander an brauner Butter, Spinat und Pilze.
  3. Ossenstaart: Geschmorter Ochsenschwanz mit cremigem Kartoffelpüree und einem Schaum aus altem Beemster Kaas, an einem dunklen Rinderjus.
  4. Wachsen: Gebratene Wachtel (mit Schnabel und Beinen) an Geflügeljus und einem Crostini mit Hühnerleber.
  5. Ron Gastrobar „Überraschung Ei“. Das Schokoladenei lag auf einer Karamellcreme umgeben von salzigem Popcorn und war gefüllt mit einem „Dotter“ aus Vanille.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Man kann sagen, dass es sich bei dem Dessert um das Signature-Gericht handelt, denn das Ei mit einer unverkennbaren, angedeuteten Bruchstelle ist auch das Logo der Gastrobar. Für Blaauw steht das Ei für seinen „Neuanfang“ mit dem Konzept der Gastrobar.

Insgesamt war es ein stimmiges Menü, meines Erachtens mit kleinen Schwachstellen, aber Preis und Leistung stimmten voll und ganz. Spannend für mich waren die unterschiedlich kombinierten Einflüsse von niederländischer, französischer und asiatischer Küche. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass diese Einflüsse exakter geschmacklich herausgearbeitet hätten sein können, da dies jedoch nicht der Anspruch des Konzepts ist, gab es nur ein einziges wirkliches Manko: Der Service wirkte streckenweise sehr gestresst, da die Servicekräfte auch die Theke mitbedienen mussten. Jeder einzelne war aber jederzeit freundlich und zuvorkommend.

Gut gestärkt und ausgeschlafen ging es dann sonntagvormittags zum „Mizuno Half Marathon“ ins historische Olympiastadion, welches Start- und Zielpunkt war. Von hier aus führte uns die sportliche „Sightseeing“-Tour vorbei an den stattlichen Herrenhäusern und Windmühlen der historischen Innenstadt, dem königlichen Palast, der Nieuwe Kerk und dem alten Rathaus, den malerischen Kanälen der Altstadt entlang der Amstel und dem Rijksmuseum, weiter in den Vondelpark. Nach etwas mehr als zwei Stunden Lauf und einer Dusche im Hotel, saßen wir mit einer Medaille um unseren Hals und etwas müden Beinen, glücklich in meinem Auto auf dem Heimweg. Wie gesagt, wir werden es in diesem Jahr genauso wieder tun.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s